Nathalie Giraud

Artist Statement
2026

Düfte und Gerüche leiten mein Leben und meine Kunst. Ich lasse mich von Düften als Träger von Gefühlen und Erinnerungen inspirieren. Es geht mir darum, das Gesehene spürbar zu machen, die Grenzen zwischen Betrachtung und sinnlicher Wahrnehmung zu durchdringen.

In meiner seit 2006 stetig wachsenden Duftbibliothek sammle ich organische und anorganische Träger von Gerüchen in Gläsern und Flaschen, welche ich in antiquarischen Glasschränken einsortiere. Die Inhalte stammen aus meinem Haushalt beziehungsweise von meinem kleinen Berliner Schrebergarten in Charlottenburg. Die bunte Wirklichkeit, das blühende und atmende Leben habe ich paradoxerweise in Gläser verschlossen, gewissermaßen „eingeweckt“.

Es ist eine Art Tagebuch der Sinne. Ein Berliner Duftarchiv. Die Gläser werden nie wieder geöffnet. Es handelt sich um eine visuelle Duftsammlung. Meine Zeichnungen und Fotografien von Pflanzen und Blumen sind sichtbare Düfte: die Farben leben und atmen und regen die Sinne an. Tuschzeichnungen auf bereits bedruckten und beschriebenen Seiten hauchen abgelegten Werken der Literatur sowie ausgedienten Kontor-Büchern ein neues Leben ein.

Meine Duftskulpturen aus Holz und Gips, Keramiken oder alten Büchern laden zum Anfassen ein und rufen bei jedem eine gefühlte Wirklichkeit hervor, die sich durch Sehen, Riechen und Tasten manifestiert.